AAQ Day 2025: Eine Synthese

Am 3. Dezember 2025 stand der AAQ Day 2025 im Kursaal Bern ganz im Zeichen einer ebenso einfachen wie provokativen Frage: Braucht die Zukunft noch Qualitätssicherung? Vertreterinnen und Vertreter des Hochschulbereichs kamen zusammen, um über die Zukunft der Qualitätssicherung zu diskutieren. Vor dem Hintergrund neuer technologischer Entwicklungen, des demografischen Wandels, geopolitischer Spannungen und der raschen Veränderungen der von Gesellschaft und Arbeitswelt geforderten Kompetenzen wurde in den Diskussionen deutlich, dass der Qualitätssicherung auch künftig eine zentrale strategische Rolle zukommt.

In seiner Eröffnungs-Keynote erläuterte Franco Gervasoni (PPT herunterladen (FR)), Generaldirektor der SUPSI, seine Überlegungen aus der Perspektive einer Hochschule. Er betonte, dass Qualitätssicherung weit mehr ist als ein Bündel von Verfahren und Prozessen: Sie ist Motor für Dialog, kontinuierliche Verbesserung und institutionelle Weiterentwicklung. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, grundlegende Werte wie akademische Freiheit, wissenschaftliche Integrität, Inklusion, Partizipation und Transparenz zu bewahren.

In ihrer Abschluss-Keynote richtete Ellen Hazelkorn (PPT herunterladen (DE)) den Blick auf die tiefgreifenden Entwicklungen, die das Hochschulwesen weltweit prägen. Angesichts des Aufstiegs der Künstlichen Intelligenz, der wachsenden Bedeutung des lebenslangen Lernens, neuer Formen der Zertifizierung sowie veränderter gesellschaftlicher Erwartungen müsse sich auch die Qualitätssicherung weiterentwickeln. Mehr als ein Instrument der Kontrolle sei sie dazu aufgerufen, zu einem strategischen Hebel zu werden, der Innovation fördert, Vertrauen stärkt und Hochschulen dabei unterstützt, zukünftige Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen.

Ein Höhepunkt des Vormittags war die Podiumsdiskussion zur Entwicklung der Qualitätssicherung im Schweizer Hochschulwesen. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Anspruchsgruppen – Hochschulen, Studierende, wissenschaftlicher Nachwuchs, kantonale Behörden und Qualitätssicherungsagentur – brachten dabei unterschiedliche Perspektiven auf die aktuellen und künftigen Veränderungen im Hochschulsektor ein.

Unter der Moderation von Oliver Vettori (WU Vienna) blickten Julia Bogdan (VSS-UNES), José Gomez (Kalaidos Fachhochschule Schweiz), Petra Lauk Kwasnitza (AAQ), Ewa Mariéthoz (EPFL), Yves Rey (Kanton Wallis) und Philip Walch (actionuni) in einer lebhaften Diskussion auf die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen zwei Jahrzehnte zurück. Dabei wurden die Fortschritte beim Aufbau einer Qualitätskultur, der institutionellen Entwicklung sowie der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren des Schweizer Hochschulsystems hervorgehoben.

Gleichzeitig richtete sich der Blick nach vorne. Künstliche Intelligenz, veränderte gesellschaftliche Erwartungen, finanzielle Rahmenbedingungen, neue Formen des Lehrens und Lernens sowie der Wandel der Hochschullandschaft wurden sowohl als Chancen als auch als Herausforderungen für die Zukunft identifiziert. Die Diskussion machte deutlich, dass sich auch die Qualitätssicherung weiterentwickeln muss, um Hochschulen in einem zunehmend komplexen Umfeld wirksam begleiten zu können, ohne dabei die Werte aus den Augen zu verlieren, auf denen Glaubwürdigkeit und Vertrauen im Hochschulbereich beruhen.

Nach der Mittagspause bestätigten die Workshops zu Chancengerechtigkeit unter begrenzten Ressourcen, zum Wandel der Werte in der Qualitätssicherung sowie zu den Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz an Schweizer Hochschulen die Bedeutung flexibler, offener und zukunftsorientierter Ansätze.

Am Ende des Tages zeichnete sich eine klare Erkenntnis ab: Die Zukunft wird weiterhin Qualitätssicherung brauchen. Allerdings eine Qualitätssicherung, die nicht nur Vertrauen und Glaubwürdigkeit des Systems sichert, sondern auch den Wandel begleitet, die Anpassungsfähigkeit der Institutionen stärkt und ihren Beitrag zur Gesellschaft fördert.

Programm AAQ Day 2025 (PDF DE/EN) herunterladen

Fokus Workshop «Artificial Intelligence in Quality Assurance: Mapping the Landscape»

Im Rahmen der von der AAQ organisierten Nachmittagsworkshops diskutierten rund 60 Teilnehmende über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Qualitätssicherung an Schweizer Hochschulen. Es zeigte sich, dass sich die Qualitätssicherung in diesem Bereich in einer Phase intensiver Erprobung und Weiterentwicklung befindet. Hochschulen testen bereits Chatbots, automatisierte Analysewerkzeuge, KI-gestützte Schreibassistenzen sowie Anwendungen zur Unterstützung von Evaluations-, Akkreditierungs- und Qualitätsentwicklungsprozessen. Die meisten Initiativen befanden sich im Dezember 2025 jedoch noch in einer Explorations- oder Pilotphase.

Die Teilnehmenden betonten das Potenzial von KI, Prozesse effizienter zu gestalten, die Analyse grosser Datenmengen zu erleichtern und das institutionelle Wissensmanagement zu stärken. Gleichzeitig wurden zentrale Herausforderungen identifiziert, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, Datenqualität und Zuverlässigkeit der Ergebnisse, algorithmische Verzerrungen sowie die Frage, wie menschliches Urteilsvermögen auch künftig ein wesentlicher Bestandteil von Qualitätssicherungsprozessen bleiben kann.

Die Diskussionen machten deutlich, dass die entscheidende Herausforderung nicht allein in der Einführung von KI liegt, sondern darin, sie verantwortungsvoll, transparent und im Einklang mit den Grundwerten des Hochschulwesens einzusetzen.

Workshop-Bericht herunterladen (PDF EN)